Paul Preuß, Dr.

Geborgen am 19. August 1886 in Altaussee
† 3. Oktober 1913 im Dachsteingebirge

Paul Preuß wurde in Altausseein einer jüdischen Familie als Sohn eines Klavierlehrers geboren, wuchs er in Wien auf und studierte in München Biologie. Später promovierte er in Pflanzenphysiologie.

Preuß war einer der bekanntesten Bergsteiger seiner Zeit, der nicht nur für seine Leistungen, sondern auch für seine Leitsprüche berühmt ist. Besonders anerkannt ist in Kletterkreisen seine Forderung, man müsse die Kletterstellen, die man nach oben klettert, auch frei abklettern können. Er gilt heute als einer der geistigen Väter des Freikletterns und als der beste Kletterer seiner Zeit.

In seinem kurzen Leben – er verunglückte im Alter von nur 27 Jahren an der Nordkante des Mandlkogels im Gosaukamm des Dachsteingebirges – vollbrachte er mehr als 1200 Fels-, Ski- und Hochtouren, davon waren 150 Erstbegehungen und 300 Besteigungen im Alleingang. Er verzichtete bewusst auf jegliche Sicherungs- und Hilfsmittel, sogar das Abseilen lehnte er ab.

Sein Klettergrundsätze

„Bergtouren, die man unternimmt, soll man nicht gewachsen, sondern überlegen sein.“

„Das Maß der Schwierigkeiten, die ein Kletterer im Abstieg mit Sicherheit zu überwinden im Stande ist und sich auch mit ruhigem Gewissen zutraut, muss die oberste Grenze dessen darstellen, was er im Aufstieg begeht.“

„Die Berechtigung für den Gebrauch von künstlichen Hilfsmitteln entsteht daher nur im Falle einer unmittelbar drohenden Gefahr.“

„Der Mauerhaken ist eine Notreserve und nicht die Grundlage einer Arbeitsmethode.“

„Das Seil darf ein erleichterndes, niemals aber das alleinseligmachende Mittel sein, das die Besteigung der Berge ermöglicht.“

„Zu den höchsten Prinzipien gehört das Prinzip der Sicherheit. Doch nicht die krampfhafte, durch künstliche Hilfsmittel erreichte Korrektur eigener Unsicherheit, sondern jene primäre Sicherheit, die bei jedem Kletterer in der richtigen Einschätzung seines Könnens zu seinem Wollen beruhen soll.“

Ihm zu Ehren wurde die Kleinste Zinne der Drei Zinnen in den italienischen Dolomiten Preußturm benannt, ebenso die Paul-Preuß-Straße in München-Feldmoching und die Preuß-Hütte in der Rosengartengruppe, die 20 Jahre nach seinem Tod von Tita Piaz zu seinem Gedenken errichtet wurde.

Erstbegehungen

- Sandling, Westwand
- Grohmannspitze, Südwand
- Traweng, Nordwand
- Kleiner Litzner, Südwestgrat und Nordgrat
- Großes Seehorn, Nordostwand
- Großer Litzner, Nordwand
- Donnerkogel, Nordwestgrat
- Guglia di Brenta, Ostwand
- Crozzon di Brenta, Nordostwand
- Langkofel-Fünffingerspitze
-Grohmannspitze-Sellajoch
- Delagoturm, Südkamin
- Kleine Zinne, erste Doppelüberschreitung
- Kleinste Zinne, erste Begehung
- Trisselwand
- Hochwanner, Nordgrat
- Mitterkaiser, Nordgipfel
- Aiguille Gamba
- Aiguille Joseph Croux, Südgrat
- L´Innominata, Südostgrat
- Aiguille Savvie Südostgrat
- Pointe Papillon, Hausgipfel
- Strichkogel, Ostwand
- Wasserkartum, Ostwand
- Däumling
- Große Bischofsmütze, Südwand
- Gosauer Mandl
- Freyaturm, Nordkante
- Schafkogel, Nordwand
- Zeugnisse des Gedenkens