Beginn des Alpinismus

Leider im negativen war für alpintouristische Entwicklung im Salzkammergut  vor allem ein Mann prägend: Franz Joseph I.

Der Kaiser hatte einen engen Bezg zum Höllengebirge, denn hier befand sich das vom Kaiserhaus gepachtete Hofjagdgebiet, das der Monarch als „meine Jagd“ bezeichnete. Es erstreckte sich von Goisern traunabwärts auf beiden Seiten des Flusses, links über das Höllengebirge zum Attersee und rechts bis über den Traunstein hinaus. Die sonnigen   Südhänge des Höllengebirges waren immer schon ein wildreiches Gebiet, das der begeisterte Jäger Franz Joseph I. sehr schätzte. In seiner Jugend bestieg er die höchsten Berge seiner Sommerheimat und brachte die Nächte in vergleichsweise einfachen und entlegenen Jagd- und Almhütten zu. Im Laufe seines langen Lebens soll er mehr als 50.000 Stück Wild erlegt haben.

Kaiserin Elisabeth hatte ihr Jagdschlösschen am Langbathsee. Der Jagd konnte sie  allerdings nie viel abgewinnen, aber sie liebte die Landschaft und hatte einen unbändigen Bewegungsdrang. „Sisi“ war eine begeisterte Bergsteigerin. Bei Hitze, Wind und Wetter unternahm die Kaiserin bis zu neunstündige Bergtouren, auf denen sie die Gesellschaft mit ungeheurer Energie über die Berge der Umgebung trieb. Ihre Hofdamen wurden auf ihre Marschfähigkeit getestet, bevor sie eingestellt wurden, trotz- dem sollen die Gewaltmärsche bei ihren Begleiterinnen gefürchtet gewesen sein.

Die Hofjagdleitung in Ebensee verhängte jeden Sommer während der Jagdsaison ein absolutes Betretungsverbot über das zentrale Höllengebirge, und Wilderei wurde streng verfolgt. Nur Jäger, Förster, Holzarbeiter und Bauern, die Weiderechte hatten, durften sich unter dem wachsamen Auge der Behörde im kaiserlichen Jagdgebiet aufhalten.

Altbürgermeister Engelbert Hausleithner erzählt: „Der Valerieweg war der Weg für die Förster, auf dem sie nach unten schauen und die Forstarbeiter kontrollieren konnten. Auf dem Weg durften die Holzknechte gar nicht gehen.“ Alle anderen Personen benötigten in der Zeit der Jagd von etwa 1850 bis 1914 triftige Gründe, um eine behördliche Ausnahmegenehmigung der Forstverwaltung für das Betreten der zentralen Teile des Höllengebirges zu erwirken.

Das Höllengebirge war für die meisten der Gäste ohnedies zu schroff und steil, sie  bevorzugten Wanderungen auf leichter zu erreichende Gipfel. Frühen Ruhm erlangte der Schafberg (1.783 m), der als der österreichische „Rigi“ bezeichnet wurde. Von St. Wolfgang aus war der Schafberg schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einfach über bestehende Almwege zu besteigen. Die hervorragende Gipfelaussicht über der steil abstürzenden Nordostwand bot eine unvergleichliche Aussicht mit 13 Seen. In einer der Hütten auf der Schafbergalm gab es Milch, Butter und Brot, zur Not auch ein Heulager.

Für die städtischen Sommerfrischler waren Berge eine Gegenwelt zu ihrem gewohnten Umfeld, in der sie Ausgleich und Erholung suchten. Für die einheimische Bevölkerung waren die Berge Teil ihres täglichen Lebens und Arbeitens: als Jäger, Förster, Holzknechte, Salinenarbeiter, Almbauern und später als Bergführer und Sesselträger bestiegen sie die Berge nicht zu ihrem Freizeitvergnügen. Erst mit dem steigenden Wohlstand begannen sich auch Einheimische für „die Eroberung des Unnützen“ zu interessieren.

Wallentin, Herta: Alpingeschichte kurz und bündig Steinbach am Attersee. Auflage 1. Innsruck: OEAV 2010